Theres Liechti und Truls Toggenburger

Carl Heinrich Ernst Preisverleihung 2017 im Kunstmuseum Winterthur


Laudatio-Matthias Frehner-Carl Heinrich Ernst Preis-2017.pdf
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... Bilder virtuell in Gang zu bringen, ist eine Spezialität dieser Künstlerin. Sie legt uns ein Bild hin, öffnet damit die Schleusen unseres Unterbewussten. Nicht nur Versuchsanordnungen auszulegen, sondern ganze Abläufe selber in Bewegung zu setzen – dies war der Auslöser für die Auseinandersetzung mit dem Medium Film. Theres Liechti hat inzwischen ein knappes Dutzend Kurzfilme im stop-motion-Verfahren realisiert, die an Prägnanz und Originalität zum Besten gehören, was ich in diesem Bereich im Documenta- und Biennale-Jahr 2017 gesehen habe.

Die nicht zu überbietende Einfachheit und Selbstverständlichkeit ihrer filmischen Aperçus, die oft nur in einer einzigen Körperbewegung bestehen, sind cool und einfach genial. Ihre Protagonisten sind Puppen, Plastikschweinchen, der eigene Hund; die Spielorte vorzugsweise Puppenstuben. Häufig passiert fast nichts. Besamo mucho: Man sieht eine Puppe, ein Mädchen im roten Röckchen steht vor uns. Lange nichts! Läuft der Film überhaupt? Plötzlich springt das Püppchen hoch und spreizt wie ein Hampelmann die Beine und wirft die Arme in die Höhe. Außer dem Röckchen trägt es keine Kleider. Dann geht’s zurück in die keusche Ausganslage. Ebenfalls wie unter einem Bann führen die Puppen im Puppenhaus Insomnia immer wieder die exakt gleichen Bewegungen aus: Diese Szenen wirken wie Albträume: Liechtis Puppen sind Sisyphos‘ Schwestern. Doch es gibt auch heitere Zwischenspiele, wenn sie ihren Schlafenden Hund filmt und der Kreatur die Ruhe gönnt oder wenn sie mit ihren Händen Monster in den Raum zaubert. ...

Matthias Frehner, Ausschnitt Laudatio, Carl Heinrich Ernst Preisverleihung, Kunstmuseum Winterthur, 2017