Theres Liechti und Truls Toggenburger

Carl Heinrich Ernst Preisverleihung 2017 im Kunstmuseum Winterthur


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Theres Liechti zeichnet, malt, fertigt Objekte und kreiert Animationsfilme. Während sie als Zeichnerin geradezu tabulos das Körperliche ins Zentrum rückt, kreisen ihre Animationsfilme um Poesie, Skurrilität und unterschwellige Spannungen im Alltäglichen.

…Um das Jahr 2007 entdeckt Theres Liechti das Medium des Animationsfilms, das seither viel Raum in ihrem Oeuvre einnimmt. Sie wendet das traditionelle Stop-Motion-Verfahren an, eine Filmtechnik, bei der durch Aneinanderreihung von Einzelfotografien die Illusion eines Bewegungsablaufs entsteht. Wegen der bewusst niedrigen Bildfrequenz laufen ihre Filme nicht flüssig, sondern stroboskopartig ab, was wunderbar verdeutlicht, wie handwerklich Filmemachen sein kann. Theres Liechti mit ihrer Affinität zum Mechanisch-Handwerklichenmacht diese Technik zur ihrigen und nutzt deren ästhetische Wirkung für ihre Filme.

…Die Protagonisten in Theres Liechtis Filmen sind häufig Puppen, Gummitierchen, Plastiksoldaten und andere Dinge aus dem Kinderzimmer. Weshalb diese Vorliebe für Spielzeug? Zum einen lässt sich mit Spielsachen das volle Leben en miniature nachzeichnen, zum anderen liegt der Spielzeugwelt eine einfache Gut-Böse-Struktur zugrunde, die die  Künstlerin gerne ihren Filmsequenzen unterlegt. Die Szenen sind anfänglich lustig, gar karikierend und verführen den Betrachter dazu, weiterzuschauen. Nach und nach schleichen sich Spannungen und Abgründigkeiten ein, die simplen Strukturen werden immer komplexer und nähern sich dem echten Leben an.

…Eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Theres Liechti sind ihre Alltagsbeobachtungen. Sie hat ein Gespür für die Zwischentöne des Lebens, den Blick für die Magie des Gewöhnlichen und die Wunderlichkeiten im Alltäglichen. Und sie hat die Gabe, ihre Beobachtungen witzig, feinsinnig und mit Tiefgang in ihre Kunst einfließen zu lassen. 

Textausschnitt: Rebecca Gericke-Budliger, Beruf(ung) Künstlerin. Zehn Jahre Fontana-Gränacher Stiftung. Verlag Scheidegger Spiess, Zürich 2013